Die wahren Gefahren des Klimawandels

In Deutschland und Europa ergeben Umfragen, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung den Klimawandel als bedeutendes Problem anerkennt. Dennoch ist die Bereitschaft sehr gering, daraus Konsequenzen für das eigene Handeln zu ziehen und klimafreundlich zu konsumieren. Die Gründe für diese Diskrepanz zwischen dem geäußerten Problembewusstsein und der ausbleibenden Verhaltensänderung sind vielfältig und reichen von der fehlenden Bereitschaft zu Komforteinbußen, über das Gefühl der persönlichen Ohnmacht bis hin zur Verunsicherung auf Grund der komplexen Zusammenhänge. Ein weiterer wichtiger Grund ist sicher auch, dass viele Menschen falsche Vorstellungen von den Folgen des Klimawandels haben dürften.

Die meisten Menschen wissen, dass der Klimawandel eine Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur mit sich bringen wird. Daher erwarten viele, dass es verstärkt zu warmen Wintern und heißen Sommern kommt. Auf Grund der Medienberichterstattung dürfte auch vielen Menschen bekannt sein, dass sich Niederschlagsmuster ändern werden und es häufiger zu Stürmen kommen wird. Wenn man auf dieser Ebene stehenbleibt, klingt der Klimawandel zumindest für Deutschland nicht unbedingt beängstigend. Den meisten Deutschen dürfte klar sein, dass Hitzewellen und Trockenheit in Afrika und Asien tödliche Gefahren für die Menschen darstellen. Dass sich durch den Klimawandel das Leben auch in Deutschland wirklich dramatisch ändern kann, ist für einen großen Teil der Bevölkerung schwer vorstellbar.

Mit Hitzewellen verbindet man oft Gefahren für ältere Menschen. Mehr Stürme bedeuten, dass es Schäden an Gebäuden geben wird. Und Starkregen führen zu lokalen Überschwemmungen. Das ist alles nicht schön und kostet Geld, aber es ändert das Leben nicht grundsätzlich. Die Medien verstärken diesen Eindruck wie z.B. ein Bericht bei stern online darüber, was Deutschland bei einem Temperaturanstieg von 1,5 bis 3,7 Grad im Laufe dieses Jahrhunderts droht. Der Beitrag ist betitelt mit „So schlimme Folgen drohen Deutschland durch den Klimawandel“ und listet sechs zu erwartende Folgen auf:

  1. Hitzestau und mehr Hitzetote
  2. Viel Wasser im Westen
  3. Schneemangel im Süden
  4. Stress für die Wälder
  5. Hohe Kosten
  6. Mehr Ernteausfälle

Wenn man selbst in den Alpen nicht mehr Ski fahren kann und die Fichten im Thüringer Wald eingehen, ist das bedauerlich. Aber vermutlich sehen nur wenige darin einen Grund, nicht mehr mit dem Flugzeug in Urlaub zu fliegen oder das Haus für viel Geld auf Passivhausstandard zu dämmen. Die in diesem Bericht erwähnten volkswirtschaftlichen Schäden in Höhe von 800 Milliarden Euro bis 2050, die das DIW ausgerechnet hat, mögen den ein oder anderen beeindrucken. Aber wenn man weiß, dass die deutsche Wirtschaftsleistung allein im Jahr 2015 – gemessen durch das Bruttoinlandsprodukt – ca. 3 Billionen Euro betrug, relativiert sich selbst diese große Zahl. 800 Milliarden entsprechen 26% von 3 Billionen, wobei dieser Verlust aber auf die nächsten 35 Jahre verteilt werden muss. Selbst wenn die deutsche Volkswirtschaft in dieser Zeit nicht mehr wachsen würden, würde sie in den kommenden 35 Jahren also ein Gesamtbruttoinlandsprodukt von 105 Billionen Euro erwirtschaften. Darauf bezogen entspricht der Schaden einem Anteil von 0,76% und erscheint eher kümmerlich. Man kann auch anders rechnen: 800 Mrd. Euro gleichverteilt auf 80 Mio. Einwohner in Deutschland entsprechen 10000 Euro pro Kopf. Diese Summe verteilt auf 35 Jahre entsprechen etwa 286 Euro pro Kopf und Jahr. Das ist ein zu verkraftender Betrag, der nicht unbedingt Angst auslöst. Vor dem Hintergrund solcher Prognosen ist es durchaus rational, davon auszugehen, dass der Klimawandel die Lebensweise in Deutschland nicht tiefgreifend verändern wird. Man könnte zwar die Verantwortung spüren, den Klimawandel zugunsten der Armen in Asien, Afrika und Südamerika zu stoppen, deren Leben viel stärker beeinträchtigt werden wird. Aber deren Leid kümmert die meisten in Europa schon heute zu wenig, um deswegen etwas am eigenen Lebensstil zu verändern. Für den egoistischen Bewohner Mitteleuropas gibt der Klimawandel zumindest für die nächsten 30 bis 50 Jahre scheinbar wenig Anlass zur Sorge.

Aber diese Wahrnehmung könnte völlig falsch sein. Der Glaube, dass man selbst in Europa relativ geschützt leben kann und hauptsächlich andere unter den direkten Folgen des Klimawandels zu leiden haben, könnte sich als sehr gefährlich erweisen.

Ich halte es für wahrscheinlich, dass die politischen, gesellschaftlichen und indirekten ökonomischen Folgen des Klimawandels in Deutschland viel schwerwiegender sind als die meteorologischen und die direkten ökonomischen Konsequenzen. Leider gibt es dafür kaum ein öffentliches Bewusstsein, und auch Politik und Wissenschaft unterschätzen diese Gefahren. Aus meiner Sicht gibt es mindestens drei Folgen des Klimawandels, die das Potential haben, auch das Leben in Deutschland in den kommenden 30 Jahren nachhaltig zu verändern. Es handelt sich dabei um die miteinander verbundenen Gefahren Anstieg des Meeresspiegels, internationale Migration und nationale und internationale Sicherheitsprobleme.

Übliche Schätzungen gehen davon aus, dass durch das Abschmelzen des Polareises der Meeresspiegel bis Ende des 21. Jahrhunderts um 50 bis 130 Zentimeter ansteigen wird. Diese Größenordnung ist an der deutschen Küsten beherrschbar, auch wenn die Gefahr von Überschwemmungen bei Sturmfluten steigt. Daher wird in Norddeutschland allerorten über Küstenschutzmaßnahmen nachgedacht wird. Selbst im 115 km von der Küste entfernten Hamburg trifft man Vorkehrungen, da man in einigen Jahrzehnten bei ungünstigen Konstellationen mit Hochwassern von sechs Metern rechnet. Dabei muss man wissen, dass Hamburg etwa sechs Meter über Normalnull liegt. Für Maßnahmen zum Schutz der Hafencity wird daher mit Milliardenbeträgen gerechnet.
Im Juli 2015 hat eine Gruppe von Wissenschaftlern um den renommierten US-Klimatologen James Hansen in der Wissenschaft und den US-Medien für enormes Aufsehen gesorgt, als sie eine Studie vorstellte, in der ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu fünf Meter innerhalb der nächsten 50 Jahres prognostiziert wird. Die Studie geht davon aus, dass das Eis in Grönland und der Antarktis bis zu zehnmal schneller schmelzen könnte als zuvor geschätzt. Diese Ergebnisse werden zwar nicht von allen Wissenschaftlern akzeptiert, aber es wäre verfehlt, sie als Einzelmeinung eines irrelevanten Hinterbänklers abzutun, der nach Aufmerksamkeit heischt. Hansen und seine 16 Kotautoren sind sehr prominente und anerkannte Wissenschaftler, deren Forschungsergebnisse keine reinen Spekulationen sind. Es besteht zumindest eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es so kommen könnte, wie von Hansen und seinen Kollegen erwartet. Dann aber sieht die Situation für Deutschland ganz anders aus.
Es scheint so zu sein, dass man durch die Erhöhung von Deichen einem Anstieg des Meeresspiegels von bis zu zwei Metern begegnen kann. Wenn das Meer um fünf Meter ansteigt, ist ein Großteil Nord- und Ostfrieslands bis tief ins Landesinnere betroffen, und auch Bremen, Hamburg, Oldenburg und Teile von Kiel stünden unter Wasser. In den Niederladen wäre etwa die Hälfte des Landes überflutet. Wie ein Meeresspiegelanstieg die Nordseeküste betreffen würde, kann man sehr gut auf diesen Karten erkennen. Erschreckenderweise sieht es bei einem Anstieg um nur drei Meter sehr ähnlich aus, auch wenn es dann natürlich leichter wäre, Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Wenigstens ein Teil des Landes an der deutschen Nordseeküste wäre bei einem Meeresspiegelanstieg um fünf Meter vermutlich verloren. Auch könnte es schwierig sein, Städte wie Bremerhaven, Wilhelmshaven, Cuxhaven oder sogar Teile von Hamburg und Bremen zu schützen. Man muss sich vorstellen, was es bedeutet, mehrere Großstädte innerhalb von wenigen Jahrzehnten aufzugeben. Wenn auch Hamburg betroffen wäre, müsste man etwa zwei Millionen Menschen umsiedeln. Ein riesiger Bestand an Gebäuden und öffentlicher Infrastruktur wäre verloren, darunter alle deutschen Seehäfen an der Nordsee, Flughäfen in Hamburg und Bremen, Universitäten und Krankenhäuser. Der Verlust der Seehäfen wäre für die exportorientierte deutsche Wirtschaft verheerend. Natürlich würden diese Verluste nicht plötzlich eintreten, und man könnte dafür Vorsorge treffen. Jedoch muss man sich klarmachen, wie lange es dauern würde und welche Kosten entstünden, wenn man z.B. die verlorenen Seehäfen an anderer Stelle ersetzen wollte. Die erwähnte Studie dies DIW schätzt die Immobilien- und Infrastrukturschäden an Nord- und Ostsee durch Sturmfluten auf bis zu 10 Mrd. Euro. Es ist völlig klar, dass diese Kosten um ein Vielfaches höher liegen, wenn der Meeresspiegel tatsächlich um das Zehnfache des für die nächsten 50 Jahre normalerweise vorhergesagten Ausmaßes ansteigt. Es entstehen dann nicht nur Kosten durch Schutzmaßnahmen und gelegentliche Sturmfluten, sondern durch einen Totalverlust.

Der Klimawandel wird auch die internationale Migration verstärken. Es ist nicht leicht, den Klimawandel direkt als Ursache für Migration festzustellen. Menschen migrieren meist aus einer Kombination aus Gründen, z.B. Konflikten im Heimatland oder wirtschaftlicher Not. Der Klimawandel mag nicht die alleinige Ursache sein, aber er kann diese Gründe verstärken. Wenn man den durch den Klimawandel verursachten Meeresspiegelanstieg hinzunimmt, gibt es jedoch auch einen direkten Migrationsgrund, da die Menschen schlicht ihren Lebensraum verlieren. Der fünfte IPCC-Bericht zitiert eine Studie, wonach ein Meeresspiegelanstieg um nur 50 cm weltweit 72 Millionen Menschen direkt betreffen würde. Bei einem Anstieg von 2 Metern würden 187 Millionen Menschen vertrieben. Andere Studien
kommen noch zu viel größeren Zahlen. Ein Bericht der Environmental Justice Foundation schätzt, dass bis zu 600 Millionen Menschen, also ca. 8,5% der gegenwärtigen Weltbevölkerung, auf Grund der Folgen des Klimawandels ihre Heimat verlassen könnten. Bei einem Meeresspiegelanstieg von fünf Metern dürfte sich selbst diese Zahl multiplizieren. Viele dieser Migranten werden vermutlich in ihren Heimatländern bleiben, aber ein Teil wird auch Grenzen überschreiten und versuchen, in die reichen Länder zu kommen. Bereits 2007 schätzten die Vereinten Nationen, dass bis 2050 jährlich 2,2 Millionen Menschen aus den armen in die reichen Länder wandern werden. Von diesen Flüchtlingen kommen nach der Schätzung der U.N. jedes Jahr 1,6 Millionen aus Afrika und Asien und werden damit vermutlich ihr Heil in Europa suchen. Von 2010 bis 2050 würde dies eine Gesamtzahl von 64 Millionen Flüchtlingen bedeuten, die versuchen könnten, nach Europa zu kommen. Niemand kann gegenwärtig die genauen Zahlen der internationalen Migration in den kommenden 50 Jahren vorhersagen, aber es dürfte feststehen, dass es Millionen von Menschen sein werden. Wenn man sieht, was die „Flüchtlingskrise“ des vergangenen Jahres mit nur ca. einer Million Menschen politisch in Europa angerichtet hat, bekommt man einen Vorgeschmack auf die zu erwartenden politischen Verwerfungen der nächsten Jahrzehnte. Angela Merkel redet davon, dass man die Fluchtursachen bekämpfen müsse. Dies hieße letztlich, den Klimawandel so schnell wie möglich zu bremsen. Im gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Klima in Europa ist nicht vorstellbar, dass Europa in den nächsten Jahrzehnten mehrere Millionen zusätzlicher Flüchtlinge aufnehmen und integrieren wird. Selbst im besten Fall, wenn die Integration gelänge und friedlich verliefe, würde sie gewaltige Ausgaben erfordern und die europäische Gesellschaft merklich verändern. Im schlechtesten Fall misslingt die Integration, und es kommt zu Parallelgesellschaften, mit allseitiger Radikalisierung und Konflikten. Auch dieser Fall wird das Leben, wie wir es in Deutschland gewohnt sind, verändern.

Schließlich stellt der Klimawandel ein internationales Sicherheitsproblem dar, das auch Auswirkungen auf Deutschland haben wird. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) widmete sein Hauptgutachten 2007 diesem Thema. Wie bei der Migration ist es oft schwierig, Konflikte und Sicherheitsprobleme auf einzelne Ursachen zurückzuführen. Aber es ist sehr plausibel, dass die Folgen des Klimawandels wenigstens vorhandene Probleme verstärken werden. Manche Kommentatoren können sich sogar Kriege zwischen Staaten auf Grund des Klimawandels vorstellen. Als Beispiel dafür wird oft ein Krieg zwischen Indien und China genannt. Weil sich die Wasserversorgung von ca. 500 Millionen Menschen durch die großen asiatischen Ströme Indus, Ganges, Mekong und Jangtse durch die Gletscherschmelze im Himalaya dramatisch reduzieren könnte, ist ein Krieg zwischen den betroffenen Staaten um das verbleibende Wasser vorstellbar. Auch andernorts könnte es bewaffnete Konflikte um knapper werdendes Wasser oder andere Ressourcen wie Weide- und Ackerland geben.
Militärs und Wissenschaftler halten offene Kriege zwischen Staaten für wenig wahrscheinlich. Viele Sicherheitsexperten sind jedoch davon überzeugt, dass der Klimawandel ein Konfliktverstärker ist. Der Sozialpsychologe Harald Welzer beschreibt in seinem Buch „Klimakriege“, dass der Klimawandel in vielen Entwicklungsländern zu einem Zerfall der Staatlichkeit führen wird und Gewaltökonomien entstehen. Da alle Konfliktparteien in diesen Gewaltökonomien vom Konflikt – meist in Form eines Bürgerkriegs – profitieren, wird der Bürgerkrieg in großen Teilen Afrikas, aber auch im Nahen Osten und Asien zum Dauerzustand.
Es gibt auch die These, dass eine extreme, möglicherweise durch den Klimawandel ausgelöste Dürre den Krieg in Syrien mitverursacht haben könnte. Demnach hätten Ernteausfälle Millionen Bauern vom Land in die Städte getrieben. Dort sei es dann auf Grund elender Lebensumstände zu Revolten gegen den Machthaber Assad gekommen. Zwar gibt es Friedensforscher, die keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Klima und dem Krieg in Syrien sehen wollen, aber auch sie bestreiten nicht, dass Klimafolgen bei schlechter Politik zu gewalttätigen Konflikten führen können. Eine große Gefahr besteht darin, dass fragile, ohnehin schon kaum funktionierende Staaten durch den Klimawandel vollends zusammenbrechen und ein lokales Machtvakuum entstehen lassen. Korrupte und schlecht organisierte Staatswesen können oder wollen ihren Bevölkerungen bei Naturkatastrophen nicht beistehen und sind nicht in der Lage, landesinterne Wanderungen auf Grund von Klimafolgen so zu begleiten, dass soziale Spannungen abgemildert werden. In solchen Notlagen kann es zu Revolten kommen, die dazu führen, dass der Staat zusammenbricht. In solchen „failed states“ ohne staatliche Ordnung kämpfen verschiedene Gruppen um die Macht, und Terrorismus kann sich ausbreiten. Gegenwärtig führen der Südsudan und Somalia die Rangliste der fragilen Staaten an. Erst kürzlich berichtete die Uno von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen im Südsudan.
Auch in diesem Fall ist es wenig wahrscheinlich, dass viele Länder um Europa herum in Gewalt und Chaos versinken und Deutschland davon nicht betroffen sein wird. Im optimistischen Fall versuchen die europäischen Länder, die Konflikte beizulegen und engagieren sich international, was auch Kampfeinsätze zur Folge haben kann. Wahrscheinlicher ist aber, dass Europa versucht, sich aus den Konflikten herauszuhalten und nur aktiv wird, wenn die eigenen Sicherheitsinteressen unmittelbar betroffen sind. Dies ist ja bereits jetzt so, wie die französischen Luftangriffe in Syrien zeigen. Für Deutschland kann dies verschiedene Konsequenzen haben. Deutschland kann sich aus politischen oder strategischen Gründen gezwungen sehen, an internationalen Militäreinsätzen teilzunehmen, was sich am bereits beschlossenen Einsatz der Bundeswehr in Mali und der Diskussion um einen Einsatz in Libyen zeigt. Auch wird Deutschland seinen Beitrag zur Sicherung der EU-Außengrenzen gehen Migranten leisten. Schließlich wird Deutschland auch in Zukunft ein möglicher Ort für Terroranschläge sein. Eine Abschottungspolitik Europas bei gleichzeitig zunehmenden Belastungen des Südens durch den Klimawandel wird zu einer Radikalisierung und einer Zunahme von Terroranschlägen führen. Dies sind keine reinen Spekulationen. Die Bundeswehr bereitet sich bereits auf Sicherheitsrisiken durch den Klimawandel vor, wie man in der Studie „Die Umweltdimensionen von Sicherheit“ des Planungsamtes der Bundeswehr nachlesen kann. Das Verteidigungsministerium plant eine massive Aufstockung des Rüstungsetats um 130 Milliarden Euro bis 2030. Interessanterweise ist Finanzmister Schäuble offen für diese Pläne, während er sich bei den Ausgaben für die Bewältigung der Flüchtlingskrise sehr defensiv verhält.

Die Illusion, in Deutschland auf einer Insel der Seligen zu leben, die nur marginal vom Klimawandel betroffen sein wird und bestenfalls Komforteinbußen erleiden muss, ist aus meiner Sicht sehr gefährlich. Zum einen behindert sie wahre Anstrengungen, die globale Erwärmung zu verringern. So lange die Deutschen glauben, der Klimawandel gehe sie direkt kaum etwas an, werden sie ihn nur halbherzig bekämpfen. Zum anderen werden uns die Folgen des Klimawandels unvorbereitet treffen, wenn wir uns nicht mit ihnen auseinandersetzen. Es ist naiv zu glauben, die Flüchtlingskrise ließe sich in den nächsten Jahren beenden und dann könnten wir uns der Frage zuwenden, wie wir die bereits zu uns gekommenen Flüchtlinge integrieren können. In der aktuellen Diskussion fehlt die langfristige Perspektive völlig. Es geht nur darum, den Migrationsstrom möglichst schnell zu stoppen. Was ist, wenn wir wirklich in den nächsten 30 Jahren immensen Immigrationsdruck haben?
Damit wir uns auf die zu erwartenden Folgen vorbereiten können, sehe ich die Wissenschaft – und hier insbesondere auch die Wirtschaftswissenschaft – in der Pflicht. Sie muss Szenarien liefern, wie die Lage in den nächsten 30 Jahren aussehen und wie man auf die Herausforderungen reagieren könnte. Wenn wir nicht vorbereitet sind, wird es chaotisch. Die Flüchtlingskrise gibt uns darauf einen Vorgeschmack.

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